Tuffi
 Geschichten und Fotos 

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Tuffi und die Schwebebahn
(eine wahre Erzählung) 

Als Camilla und Hansi in Wuppertal mit der weltberühmten Schwebebahn fuhren, erzählte ihnen ein netter Schaffner die Geschichte von Tuffi:

Tuffi war ein lustiges Elefanten-Mädchen mit einem runden Kopf und vergnügten Augen. Sie wurde im Elefanten-Stall eines indischen Fürsten geboren. Ihr Vater war ein mutiger Elefanten-Bulle mit gewaltigen Stoßzähnen, den der Herrscher immerzu zur Tigerjagd mitnahm. Mit Tuffis Mutter, die ganz besonders lieb zu Kindern war, ritten die kleinen Prinzen aus.

Aus Tuffi wäre sicher ebenfalls ein guter Reit-Elefant geworden. Doch es kam ganz anders...  

Eines Tages besuchte ein Tierhändler den Elefantenstall. Der Fremde suchte für einen deutschen Zirkus ein liebes, gelehriges und mutiges Elefanten-Baby.

"Die muss ich haben", sagte er zum Stallmeister, als er Tuffi sah.... doch der wollte sie nicht weggeben, weil seine Kinder so gern mit ihr spielten. Als der Händler aber sehr viel Geld bot, wurde Tuffi doch verkauft. Aus ihr sollte ein Zirkus-Elefant werden. 

So kam für das Elefanten-Kind der Abschiedstag. In einem Lastwagen brachte man Tuffi nach Kalkutta. Im Hafen wartete schon ein Schiff. Einige Männer banden dem kleinen Elefanten einen Gurt aus Segeltuch um den Bauch und befestigten ihn an einem Kran. Auf diese Weise wurde Tuffi sicher an Bord gehoben. Das Schiff trug Tuffi weit weg über das Meer nach Europa. Zuerst schwamm es durch den Indischen Ozean, dann durch das Rote Meer und schließlich durch das Mittelmeer. In der italienischen Hafenstadt Genua war die Schiffsreise zu Ende. Von dort flog der kleine Elefant mit einem Flugzeug nach Deutschland. Der Zirkusdirektor holte ihn am Flughafen ab.

Für Tuffi begann nun ein  neues Leben. Sie tollte mit den Kindern der Artisten umher, freundete sich mit den Clowns an und freute sich, wenn die Elefanten-Tanten in der Manege Walzer tanzten. 
Aber sie musste auch fleißig lernen, genau wie Camilla und Hansi in der Schule. Der Dompteur brachte ihr zuerst bei, auf Kommando ganz laut und fröhlich zu trompeten. 

Dann wurde ihr gezeigt, wie ein Elefant die Trommel schlägt. Zur Belohnung bekam sie ein Stück Würfelzucker, wenn sie alles richtig machte.Als sie aber auf einem Bein stehen sollte, war das für sie doch noch zu schwierig.

Der Zirkusdirektor ging mit Tuffi jedesmal durch die Straßen, wenn sie in eine neue Stadt kamen. Das war ein guter Einfall. Alle Menschen fanden Tuffi niedlich. Deshalb kamen sie auch alle zur Vorstellung. Vom Eintrittsgeld bezahlte der Zierkusdirektor die Artisten und das Futter für die Elefanten, Löwen, Tiger, Pferde, Affen, Papageien und Kamele, die mit dem Zirkus durch die Welt reisten.

In jeder neuen Stadt ludt der Zirkusdirektor die Zeitungsreporter ein. Sie sollten allen Leuten berichten, welche Kunststücke die Artisten und ihre Tiere in den Vorstellungen zeigen würden. Dazu brauchten die Reporter lustige Bilder. Meistens fotografierten sie Tuffi. Sie musste dazu die komischsten Sachen anstellen.

Einmal, das war in Oberhausen, besuchte sie den Bürgermeister im Rathaus. Sie überreichte ihm einen großen, bunten Blumenstrauß. In Solingen kletterte sie mit einem Kasten Bier für die Maurer auf ein Baugrüst. In Duisburg machte sie mit den Reportern eine Hafenrundfahrt, und in einigen anderen Städten fuhr sie Straßenbahn.

Für das Gastspiel in Wuppertal dachte sich der Zirkusdirektor etwaas ganz Besonderes aus. Er rief alle Zeitungen an und sagte: "Wenn wir am 21. Juli 1950 nach Wuppertal kommen, fährt unser kleiner Elefant gleich mit der Schwebebahn".

Auf die Schwebebahn sind in Wuppertal alle Leute sehr stolz. Sie hat die Räder auf dem Dach und hält sich mit ihnen an einem Eisengerüst fest. Es ist acht Meter hoch und wirkt wie ein riesiger Tausendfüßler (es hat aber nicht tausend, sondern genau 944 Beine).

Mit der Schwebebahn, die 10 Kilometer weit über die Wupper und drei Kilometer weit über die Straße fährt, sollte Tuffi eine kurze Reklamefahrt antreten.

Als die Artisten mit ihren Tieren zum Schwebebahnhof "Alter Markt" kamen, warteten dort schon viele Menschen. Polizisten mussten für Tuffi Platz schaffen. So schlimm war das Gedränge.
Am Fahrkarten-Schalter gab sie dem Verkäufer eine Geldtasche. Tuffi musste fünf Fahrscheine kaufen, weil sie schon so viel wie fünf Erwachsene wog. Dann durfte sie zum Bahnsteig stampfen.

Wenig später rollte die Schwebebahn in den Bahnhof. Der abergläubische Zirkusdirektor machte ein ernstes Gesicht, als er sie sah. Der erste Wagen trug nämlich die Nummer 13 und die 13 ist für  abergläubische Menschen eine Unglückszahl.

"Ach je, wenn das nur gut geht", meinte der Direktor. Er hatte plötzlich gar keine Lust mehr, mit Tuffi Schwebebahn zu fahren und unterwegs den Wuppertalern durch die Fenster ihrer Häuser in die Wohnungen zu schauen.

Tuffi zögerte nicht. Sie stieg sofort in die Schwebebahn ein. Auf dem Bahnsteig hinter ihr drängten sich viele Reporter mit Fotoapparaten und Filmkameras. Sie sollten eigentlich nur die Abfahrt von Tuffi fotografieren und dann mit einem Lastwagen auf der Straße neben dem Schwebebahngerüst herfahren. Daran hielten sich die Fotografen aber nicht. Einer von ihnen sagte: "Ach was, ich fahre doch gleich mit." Als  er hinter Tuffi in die Schwebebahn stieg, quetschten sich alle anderen ebenfalls in das Abteil. Dort wurde es so eng, dass sich niemand mehr rühren konnte. Der Schaffner hatte Mühe, die Türen zu schließen.

Mit Verspätung fuhr die Schwebebahn ab. Schon in der ersten Kurve wurde Tuffi ängstlich. Das Quietschen der Bahn, die Enge und das laute Reden der vielen fremden Leute um sie herum hatten sie unruhig gemacht. Sie wollte raus, nur raus!

Der kleine Elefant trompetete so laut, dass in der Schwebebahn eine Frau in Ohnmacht fiel.  Er schubste die Fotografen zur Seite, drückte eine Seitenwand der Schwebebahn ein und sprang kopfüber hinaus.

Die Menschen auf der Straße trauten ihren Augen nicht. Da fiel doch tatsächlich ein Elefant aus der Schwebebahn! So etwas war seit 1901, als die Schwebebahn eröffnet wurde, noch nicht passiert.
"Schließlich ist noch nicht einmal ein Mensch aus der Schwebebahn gefallen", staunten sie.

Zum Glück fuhr die Schwebebahn gerade über die Wupper und nicht über eine Brücke. So landete Tuffi im knietiefen Wasser und tat sich nicht weh. Zuerst erschrak sie mächtig. Dann schüttelte sie sich das Wasser aus den Ohren und prustete mit ihrem Rüssel. Sie erholte sich rasch von dem Schreck, denn  Baden macht allen Elefanten Spaß.

Die Reporter und der Zirkusdirektor verließen im nächsten Bahnhof die Schwebebahn. Sie rannten so schnell sie konnten. Den ersten Fotografen, der am Ufer auftauchte, spritzte Tuffi pitschnass. Was glaubt Ihr wohl wie schnell der davonlief und seine Kamera in Sicherheit brachte! Der Zirkusdirektor freute sich, dass Tuffi nur eine Schramme am Po hatte. Zur Sicherheit brachte er sie noch zu einem Tierarzt. Aber auch der fand nichts Schlimmes. Nach der Untersuchung wurde Tuffi durch die Stadt zum Zirkusplatz zurück geführt. Am Straßenrand standen viele Kinder. Sie wollten das Elefantenkind trösten. Doch all die Zuckerstückchen, die ihr die Kinder hinhielten, durfte Tuffi natürlich nicht futtern, sonst hätte sie schlimme Bauchweh bekommen.

In manchen Geschäften in Wuppertal wird heute noch eine Postkarte verkauft, die Tuffis Sturz aus der Schwebebahn zeigt. Diese Aufnahme ist aber gemogelt. Denn von Tuffis Sprung in die Wupper gibt es kein Bild. Die Fotografen waren damals in der Schwebebahn viel zu aufgeregt, um ein Foto zu machen. Dabei hätten sie mit einem solchen Bild viel Geld verdienen können. Eine amerikanische Zeitung wollte für eine Aufnahme sogar 15.000 Dollar bezahlen. was denkt Ihr wohl, wie sich die Fotografen ärgerten, dass sie nicht mit dem Lastwagen neben der Schwebebahn hergefahren waren! Denn von dort aus hätten sie Tuffis Wuppersprung bestimmt fotografiert.

"Ist Tuffi wirklich aus der Schwebebahn gesprungen?", fragten Camilla und Hansi beim Abschied den netten Schwebebahnschaffner, der ihnen alles erzählt hatte. "Ich gebe euch mein Ehrenwort", antwortete er. Dann ließ er die Kinder aussteigen, schloss die Türen, gab das Signal zur Abfahrt und winkte ihnen aus der davongefahrenen Schwebebahn so lange zu, bis sie ihn nicht mehr sehen konnten.

Weil viele Kinder immer wieder fragen, was aus Tuffi geworden ist, hier die Antwort:

Tuffi wurde von ihrem früheren Besitzer an den weltberühmten französischen Zirkus Alexis Gruss verkauft. Aus ihr wurde ein riesengroßer Elefant, der sogar auf einem anderen Elefant einen Kopfstand machen konnte.

Jeden Tag zeigte sie das als Star einer Elefantenherde in der Zirkus-Manege. Wer den Zirkus Gruss und Tuffi besuchte, musste allerdings höllisch aufpassen. Sie hatte sich nämlich angewöhnt, neugierigen Besuchern alles zu klauen, was sie mit ihrem Rüssel erreichen konnte. So stibitzte sie zum Beispiel Handtaschen und verspeiste sie samt Inhalt.

... was wurde später aus Tuffi?

Zur gleichen Zeit, als das kleine Elefantenmädchen in Wuppertal für Wirbel sorgte, überlegten der Molkerei-Leiter und seine Mitarbeiter schon eine Weile, welchen Namen sie ihren leckeren Milchprodukten geben sollten.

Da passierte die Geschichte mit Tuffi, dem Elefanten. Und plötzlich hatte man in der Molkerei den richtigen Namen gefunden. 
Ihr habt es natürlich längst erraten: Von diesem Tag an sollten alle Erzeugnisse der Milchwerke "TUFFI" heißen.


Es gibt, entgegen aller Behauptungen, keine Originalfotos von Tuffis Sprung in die Wupper. Alle Fotos, die dieses Motiv zeigen, sind Fotomontagen. Es existieren lediglich Fotos von Tuffi am Wupperufer, als sie aus dem Wasser geholt wurde.

So kam es zu Tuffis berühmtem „Wuppersprung“

Fotomontagen






Originalfotos von 1950

Tuffi beim Einstieg in die Schwebebahn



Tuffi am Ufer der Wupper



Tuffi auf Trümmern


Tuffi im Zirkus
(die Kleine ganz hinten)